Schilcherland 2030 – Landschaft in Gefahr!?

Mit dieser Frage bzw. Feststellung befassten sich Experten und Publikum in einer gut besuchten Informations-Veranstaltung in Stainz.

Im Zuge zweier Leader-Projekte widmet man sich im Schilcherland intensiv den Themen Kulturlandschaftswandel und Baukultur. Der gut besuchte Informationsabend in der „Hofer Mühle“ brachte mit dem Referat von Josef Mathis, Altbürgermeister im vorarlbergischen Zwischenwasser und unermüdlicher Kämpfer für eine nachhaltige Raumordnung, einen profunden Blick über die Steiermark hinaus.

Altes ehren, Neues zulassen. Josef Mathis bezeichnete Baukultur als Prozess für eine gute Umwelt, der unbedingt eine Planung erfordere. Denn das Ziel müssten Lebensqualität und Wertschöpfung mit Wohlfühlfaktor für die (eingebundene) Bevölkerung sein. „Die Raumordnung ist entscheidend“, strich er die Bereiche Grund und Boden, Energiebedarf, Mobilitätsverhalten der Bevölkerung und Sozialstruktur hervor. „Zuständig sind die Gemeinden“, redete er einer „größeren Spange“, also einem weiteren Betrachtungsfeld, das Wort. Als Beispiel nannte er die Schweiz, in der auf dem Gebiet der Bauflächen rigorose (Bürgerentscheid)  Bestimmungen gelten. Sie haben das Ziel, das Horten von Bauplätzen (ein Drittel davon wird nicht als Bauplatz genutzt) zu unterbinden. Zusätzlich gehe es auch um die Nutzung von leerstehenden Gebäuden. Seine Forderung: „Die Rückwidmung von Bauland darf nicht die Ausnahme sein.“

Foto v. li: Christian Polz, DI Brigitte Grießer, DI Klaudia Heinrich, Bgm. Adi Meixner, Josef Mathis, Alois Kiegerl, DI Christian Hofmann, Bgm. Walter Eichmann

Vom Büro Freiland stellten anschließend Dipl.-Ing. Klaudia Heinrich und Dipl.-Ing. Brigitte Grießer die Untersuchungsergebnisse zu den landschaftlichen Veränderungen von 1992 bis 2015 und die Inhalte der dazu veranstalteten Workshops vor. „Im Bergland ist eine sanftere Entwicklung gegeben“, stellten sie fest, dass sich die Landschaft durch Erntemethoden, Nutzungsoptimierung, Energiebedarf, Mobilitätsansprüche, Lebensweisen und Konsumverhalten kontinuierlich veränderte. Landschaftspflege sei dabei kein vorrangiges Ziel mehr. Diese Entwicklung kam auch in den Feststellungen der Workshops zum Ausdruck. Bewusstseinsbildung wurde an die erste Stelle gereiht, als wichtig wurden auch nachhaltige Förderungspolitik, Kauf regionaler Produkte, Vernetzung landwirtschaftlicher Betriebe, Verwendung natürlicher Baumaterialien und sparsamer Umgang mit Flächen genannt.

Das Thema Kulturlandschaftswandel, das auch Bürgermeister OSR Walter Eichmann, Obmann der LAG Schilcherland, in seiner Begrüßung angesprochen hatte, war klarerweise auch Inhalt der Podiumsdiskussion. Mit Klaudia Heinrich, Dipl.-Ing. Christian Hofmann (Baubezirksleitung Südweststeiermark), Alois Kiegerl (Landwirt, Projekt Stressfreie Schlachtung), Josef Mathis, Adolf Meixner (Bürgermeister Preding), Christian Polz (Bezirksobmann Landwirtschaftskammer Deutschlandsberg) waren die Interessensfelder weit gespannt.

In einer ersten Runde beleuchteten die Diskutanten die Materie aus ihrer beruflichen Sicht. Recht brisante Aussagen (Grund/Boden sollte allen gehören) waren da zu hören, es ging aber auch um alltägliche Feststellungen wie zu wenig Geld vorhanden, die Veränderungen sind schleichend, Kleinstrukturen sind relativ teuer, Grund ist das Kapital der Bauern oder gewisse Vorschriften sind nicht zukunftsfit. Ganz klare Forderungen: Bewusstsein schaffen, finanzielle Mittel gezielt einsetzen, bei Bedarf Fachwissen einholen, Tierwohl beachten.

Mit Anfragen, Feststellungen und Anregungen brachten sich die Zuschauer in den Ablauf ein. Auch hier ein Ausschnitt der Themen: Änderung der Kommunalsteuerverteilung auf die Gemeinden wäre sinnvoll, Klimawandel und Hochwasserproblematik werden zu Herausforderungen der Zukunft, Leerstände bei Gebäuden nutzbar machen.

„Es ist ein politisches Thema, das jeden Einzelnen angeht“, stellte der umsichtige Moderator Gregor Waltl eine – Josef Mathis sagte es auf Vorarlbergerisch – Aussage an den Schluss:  „Die Problematiken sind bekannt, wir sollten etwas tun.“ Klärender Nachsatz: Wir, das ist jeder von uns.

Die Veranstaltung ist Teil der LEADER-Projekte „Baukultur 2015+“ und „Kulturlandschaftswandel im Schilcherland“ mit der Regionalmanagement Südweststeiermark GmbH als Projektträgerin. Die Projekte werden im Rahmen des Programmes zur Entwicklung des ländlichen Raumes LE 2014-2020 mit Mitteln der Europäischen Union, des Bundes und des Landes Steiermark gefördert. Das LEADER-Programm wird über das Regionalressort des Landes Steiermark abgewickelt.

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