Ganzheitliches Nährstoffmanagement für fruchtbare Äcker und sauberes Trinkwasser (im Rahmen des Interregprojekts SI-MUR-AT)

Das 3-jährige Interregprojekt SI-MUR-AT (SIAT 116) steht kurz vor dem Abschluss. Mit der Fertigstellung des Implementierungskonzepts „Überbetriebliches Nährstoff- und Güllemanagement“ will man der Vision zur „Umweltschonenden Herstellung, Lagerung und Ausbringung von Düngemitteln aus hofeigener Produktion“ wieder ein Stück näher kommen.

Was ist SI-MUR-AT?

Die langfristige Sicherung der Qualität der Grundwasserkörper beiderseits der Mur, die einerseits einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung unterliegen, andererseits gleichzeitig als Speicher für die Trinkwasserversorgung dienen, stellt eine gemeinsame Herausforderung für Österreich und Slowenien dar.

Im Rahmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit werden Maßnahmen zur nachhaltigen Sicherung und Qualitätsverbesserung an der unteren Mur und in den angebundenen Grundwasserkörpern erarbeitet und mit regionalen Partnerinnen und Partnern umgesetzt, um langfristig einen guten qualitativen Zustand des Grundwassers zu erhalten.

Wozu ganzheitliches Nährstoffmanagement?

Seit jeher gilt der aus der Veredelungswirtschaft anfallende Wirtschaftsdünger aus Tierhaltungsbetrieben als eine der wichtigsten Nährstoffquellen für Ackerbau auf Basis der ökologisch sinnvollen Kreislaufwirtschaft.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für tierhaltende Betriebe in Österreich fordern ein betriebliches Düngemittellager für Wirtschaftsdünger über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten, um in den Ausbringverbotszeiträumen genügend Speicherkapazitäten zu gewährleisten. Durch Gesetzesänderungen, die den aktiven Grundwasserschutz fördern, kommt es durch engere Ausbringzeitfenster sowie durch die vorgegebene Kulturführung zu einer Verlängerung dieser Periode von sechs auf zehn Monate. Landwirtinnen und Landwirte, die diese Anforderung an das Lagervolumen zum derzeitigen Zeitpunkt nicht erfüllen können, sind angehalten bis 2020 dieses aufzustocken oder den Tierbestand am Betrieb auf die vorhandenen Volumina anzupassen.

In den Regionen Südwest- und Südoststeiermark hat man sich zum Ziel gesetzt, in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer, den Grundwasserversorgern, der regionalen Politik und Interessensvertretern, in Anbetracht der auszuweitenden Güllelagerraumgröße nach dem Regionalprogramm „Graz – Bad Radkersburg“, nachhaltige Maßnahmen für den überbetrieblichen Güllelagerausbau zu setzen.

Das Implementierungskonzept „Überbetriebliches Nährstoff- und Güllemanagement“ liefert, mit neuen Möglichkeiten, welche die fortschreitende Digitalisierung bietet und einem auf Sharing basierten Netzwerkansatz, einen gemeinschaftlich umsetzbaren Lösungsansatz bestehend aus:

  • NährstoffDepot: In einem gemeinschaftlich genutzten Güllelager wird über ein digitales Lagertagebuch die transparente Abwicklung des Nährstofftransfers dokumentiert. Neben der Dokumentation der eingebrachten Mengen erfolgt auch eine Nährstoffanalyse, damit jede Landwirtin und jeder Landwirt die eingebrachte Nährstoffmenge garantiert wieder zurückbekommt. Denn nicht jeder Wirtschaftsdünger weist dieselbe Konzentration an Nährstoffen auf.
  • NährstoffApp: In einer jederzeit nutzbaren Onlineplattform werden die Interakteurinnen und Interakteure im Nährstoffkreislauf miteinander vernetzt und hinsichtlich Optimierungspotenzialen beraten. Dies betrifft einerseits den effizientesten Einsatzradius des Wirtschaftsdüngers aus dem hofeigenen Lager sowie die Düngung außerhalb dieses Radius bspw. über ein gemeinschaftliches NährstoffDepot. Andererseits soll den Landwirtinnen und Landwirten über ein integriertes Düngeplanungstool das Nährstoffpotenzial des Wirtschaftsdüngers in der ackerbaulichen Verwendung aufgezeigt werden.
  • NährstoffBörse: Über ein öffentliches Online-Portal können Landwirtinnen und Landwirte aus der Region ihre überschüssigen Wirtschaftsdüngervorkommen anderen Interessierten anbieten sowie eigene pflanzenbauliche Düngedifferenzen durch Zukauf auffüllen.

Dieser Lösungsansatz soll nicht nur das Lagerraumproblem der Region lösen, sondern darüber hinaus das Wirtschaftsdüngermanagement der Region revolutionieren und Vorteile für die Landwirtinnen und Landwirte, die Wasserwirtschaft und damit insgesamt für die Gesellschaft bringen. (Quelle: Thomas Fleischhacker)

Wie geht es weiter?

Zum Projektabschluss erfolgen nun noch bewusstseinsbildende Maßnahmen in den Regionen Südweststeiermark und Südoststeiermark sowie die Aufbereitung von Kurzinformationen auf Deutsch und Slowenisch.

Im Rahmen der letzten Sitzung der regionalen Plattform Nähstoffmanagement Südweststeiermark wurde von Vertreterinnen und Vertretern der Landwirtschaft und der Wasserwirtschaft eine gemeinschaftliche Umsetzung einer Prototypenanlage entsprechend des Implementierungskonzepts überlegt.

Das gesamte Implementierungskonzept finden Sie nachfolgend zum Download: Implementierungskonzept_Überbetriebliches_Güllemanagement_final_WEB

Weitere Informationen zum Projekt und allen Partnerorganisationen finden Sie auf der Projektwebsite: https://www.si-mur-at.eu

Get in contact!

Regionalmanagement Südweststeiermark GmbH

Grottenhof 1

8430 Leibnitz

 

Telefon: +43 3452 84510

Fax: +43 3452 84510-30

office@eu-regionalmanagement.at